
Bio-Schweinehaltung in Österreich
Schweinefleisch ist die in Österreich am häufigsten konsumierte Fleischsorte. Es gibt circa 2,5 Millionen Schweine als Nutztiere im Land. Davon werden ca. 3% nach Bio-Richtlinien gehalten (ÖFK Zahlen 2025).
Die Bio-Schweinehaltung erfolgt überwiegend auf bäuerlichen Familienbetrieben und orientiert sich an den Vorgaben der EU-Bio-Verordnung. (Grüner Bericht 2025). Die Ansprüche der Konsumentinnen und Konsumenten an die Haltungsbedingung der Tiere steigen kontinuierlich. Die Bio-Schweinehaltung unterscheidet sich deutlich von anderen Haltungssystemen.
Vom Wildschwein zum Hausschwein
Das Schwein ist eines der Haustiere die schon sehr früh domestiziert wurden. Erste Hinweise dafür gab es bereits vor ca. 9000 Jahren in der Region der heutigen Osttürkei. Die Domestikation erfolgte in unterschiedlichen Regionen unabhängig voneinander.
Seit Jahrtausenden wird das Schwein vor allem zur Fleischerzeugung gehalten. Das heutige Hausschwein stammt vom Wildschwein ab. Es gehört zur Ordnung der Paarhufer und zur Familie der Echten Schweine (Suidae).
Was macht Bio-Schweinehaltung anders? Ein Überblick
Die Bio-Schweinehaltung unterscheidet sich in vielen Bereichen von der konventionellen Schweinehaltung. Die wichtigsten Merkmale und Vorgaben sind im folgenden Überblick zusammengefasst:
- Mehr Platz im Stall und verpflichtender Zugang zu Auslauf ins Freie
- Mindestens 50% planbefestigter Stallboden (kein Vollspaltenboden)
- Tageslicht und Frischluft im Stall verpflichtend
- 100% Biofutter, keine synthetischen Aminosäuren, keine Wachstumsförderer
- Einstreu im Liegebereich verpflichtend
- Schwanz kupieren und Zähne schleifen als vorbeugende Maßnahme verboten
- Natürliche Milch für Ferkel bis mindestens zum 40. Lebenstag (Mindestsäugezeit: 6 Wochen)
Richtlinien in der Bio-Schweinehaltung: Was die EU-Bio-Verordnung vorschreibt
Die Bio-Schweinehaltung in Österreich ist durch klare gesetzliche Vorgaben geregelt. Maßgeblich durch die EU-Bio-Verordnung, die einheitliche Mindeststandards für Haltung, Fütterung und Tiergesundheit festlegt. Zusätzlich gelten für Produkte mit AMA-Biosiegel die Vorgaben der AMA-Biosiegel-Richtlinie.
Mehr Informationen zum AMA-Biosiegel
Umfassende Anforderungen an die Haltung
Die Vorschriften betreffen unter anderem die verfügbare Stall- und Auslauffläche, die Beschaffenheit des Stallbodens, den Zugang zu Tageslicht und Frischluft, die Fütterung der Tiere, den Umgang mit Eingriffen am Tier sowie den Einsatz von Tierarzneimitteln.
Anpassungen bei der Umstellung auf Bio
Die Umstellung eines konventionellen Schweinebetriebs auf Bio ist häufig mit umfangreichen baulichen Anpassungen verbunden. Besonders die Anforderungen an Stallstruktur, Platzangebot und Auslauf führen oftmals zu erheblichen Umbauarbeiten und Investitionen.
Vorgaben für Stall- und Auslaufflächen
Bio-Schweinen muss ausreichend Platz im Stall sowie ein verpflichtender Auslauf ins Freie zur Verfügung stehen. Dabei gilt: Eine zu kleine Stallfläche kann durch einen größeren Auslauf ausgeglichen werden, eine zu kleine Außenfläche jedoch nicht durch eine größere Stallfläche.
Ökologische Schweinehaltung nach Tiergruppen
Die ökologische Schweinehaltung orientiert sich an den natürlichen Bedürfnissen der Tiere und den Vorgaben der Bio-Verordnung. Je nach Tiergruppe gelten spezifische Anforderungen an Haltung, Platz und Management.
Ferkelerzeugung
Tragende Sauen werden in Gruppen gehalten und haben Zugang zu Tageslicht, Frischluft und Auslauf im Freien. Die Abferkelbucht ist in verschiedene Funktionsbereiche gegliedert und umfasst einen Liege-, Fress- und Kotbereich. Ein Strohnest ermöglicht der Sau, ihr natürliches Nestbauverhalten auszuleben. Die Mindestsäugezeit beträgt 40 Tage bzw. sechs Wochen.
Mastschweinehaltung
Mastschweine werden je nach Endgewicht rund 130 bis 140 Tage gemästet. Sie verfügen über mehr Platz als in der konventionellen Haltung und haben verpflichtenden Zugang zu Auslauf im Freien oder Außenklimabereichen. Stroh, Tageslicht und Frischluft sind wesentliche Bestandteile der Haltung. Jederzeit verfügbares frisches Trinkwasser wird bereitgestellt.
Platzbedarf in der Bio-Schweinehaltung
Mehr Raum, klare Bereiche, Auslauf ins Freie: Bio-Schweinehaltung folgt konkreten Vorgaben für Stall, Bewegung und Tiergesundheit. Eingestreute Liegebereiche, Fressplätze, Bewegungsflächen und Kotbereiche helfen dabei, den Stall nach den Bedürfnissen der Tiere zu strukturieren.
Tiergruppe | Stallfläche (Innen) | Auslauf (Außen) |
|---|---|---|
Ferkel (über 40 Tage bis 35 kg) | 0,6 m² | 0,4 m² |
Mastschweine bis 50 kg | 0,8 m² | 0,6 m² |
Mastschweine 50–85 kg | 1,1 m² | 0,8 m² |
Mastschweine 85–110 kg | 1,3 m² | 1,0 m² |
Mastschweine >110 kg | 1,5 m² | 1,2 m² |
Zuchtsauen (trächtig / Gruppenhaltung) | 2,5 m² | 1,9 m² |
Zuchtsauen mit Ferkeln (bis 40 Tage) | 7,5 m² | 2,5 m² |
Quelle: DVO (EU) 2020/464
Fütterung in der Bio-Schweinehaltung
Schweine sind von Natur aus Allesfresser (omnivor) und benötigen eine ausgewogene Ernährung, die ihren Nährstoffbedarf in den verschiedenen Lebensphasen deckt. In der Bio-Schweinehaltung ist die Fütterung klar geregelt: Es darf ausschließlich 100 % biologisch erzeugtes Futter eingesetzt werden.
Die Futterration basiert vor allem auf heimischen Ackerkulturen. Zu den wichtigsten Bestandteilen zählen:
- Getreide wie Triticale, Weizen, Roggen, Gerste und Hafer
- Körnerleguminosen wie Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen
- Eiweißversorgung erfolgt überwiegend über biologische Eiweißfuttermittel wie Ackerbohnen, Erbsen, Lupinen oder Sojakuchen.
- Mais kann ebenfalls Bestandteil der Fütterung sein, wird jedoch in der Regel nur in begrenztem Umfang eingesetzt.
Ein wesentlicher Unterschied zur konventionellen Schweinefütterung besteht darin, dass in der Bio-Schweinehaltung keine synthetischen Aminosäuren eingesetzt werden dürfen. Die Versorgung mit Eiweiß und Aminosäuren erfolgt ausschließlich über natürliche Futtermittel.
Darüber hinaus müssen Bio-Schweine strukturreiches Futter erhalten. Dieses dient nicht nur der Verdauung, sondern bietet den Tieren auch Beschäftigung und ermöglicht ihnen, ihre natürlichen Verhaltensweisen auszuleben.
Tiergesundheit in der Bio-Schweinehaltung
In der Bio-Schweinehaltung stehen Tiergesundheit und Vorbeugung im Mittelpunkt. Frische Luft, Tageslicht und Auslauf sind zentrale Elemente der Haltung. Antibiotika dürfen nur zur Behandlung kranker Tiere eingesetzt werden, nicht vorbeugend. Zudem gelten strengere Regeln als in der konventionellen Haltung:
- Antibiotika nur im Krankheitsfall
- Vorbeugende Behandlungen verboten
- Doppelte Wartefrist nach Arzneimittelgabe
- Zuchtsauen: max. 3
Behandlungen pro JahrMastschweine: max. 1 Behandlung im Leben, sonst Verlust des Bio-Status. Diese Vorgaben fördern einen verantwortungsvollen Umgang mit Arzneimitteln und tragen zu einer Reduktion des Antibiotikaeinsatzes bei.
Häufig gestellte Fragen zur Bio-Schweinehaltung
Quellen
- ÖFK Zahlen 2025
- Sonntag und Spiller (2018): Konsumentenerwartungen an die Versorgungskette „Milch und Milchprodukte“. Präsentation AMA Milchsymposium 2018.
- DVO (EU) 2020/464
- Grüner Bericht 2025
- https://www.bio-austria.at

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